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Armin Rohde unterstützt Miteinanders-Tage 2017

Hannoversche Vereine bieten auch dieses Jahr vielfältigen Aktionsreigen

 

„Menschen mit Behinderung sollen uneingeschränkten Zugang zu Bildung, Kultur, Information und unabhängiger Beratung haben“, fordert die gemeinnützige Beratungsinstanz „Mittendrin“ – und wird dabei lautstark unterstützt vom Verein „Down Syndrom Hannover“. Gemeinsam präsentieren die beiden Initiativen auch 2017 die Miteinanders-Tage. Unterstützt werden sie dabei von Schauspielstar Armin Rohde. Der berühmte Mime meint, dass es noch immer zu viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Down-Syndrom gäbe. "Ich ertrage es nicht, wenn Menschen für das, was sie sind, ob es nun eine Behinderung oder auch die Hautfarbe ist, ausgegrenzt werden“, betont er „Das schmerzt tief in meiner Seele.“ Jedes Mal, wenn er Menschen mit Down Syndrom begegne, habe er den Eindruck, „dass sie einen ganz besonderen Zugang zum Leben haben, für den ich sie beneide, eine beeindruckende Mischung aus großer Direktheit und Neugier sowie einem feinen Sinn für Theatralik“.

 

Rohde ist von der erfolgreichen Veranstaltungsreihe im Herbst mit jährlich mehreren hundert Besuchern überzeugt. Er habe Männer und Frauen, Mädchen und Jungen mit Down-Syndrom als unglaublich charismatische Menschen kennengelernt.

 

„Wir wollen den Blick auf die Inklusion und die Kinder von heute richten“, betont die Vorsitzende des Vereins „Down-Syndrom Hannover“, Tanja Zurek. Von der Inklusion profitierten nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern die gesamte Gesellschaft. Inklusion sei kein Expertenthema, „sondern geht uns alle an“.

 

Mit dem Markt der Möglichkeiten im Haus der Region startet am Sonnabend, 21. Oktober, 15 bis 18 Uhr, der Aktionsreigen für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Sozialdezernent Erwin Jordan eröffnet den bunten Nachmittag, der geprägt sein wird von zahlreichen Informationen an inklusiven Ausstellungsständen, von Musik, Tanz, einer Tombola, den Experimentierstationen von Lili & Claudius und einem integriertem Café mit leckerem Kuchen. Die Fotografin Jenny Klestil macht auf Wunsch Kinderfotos im Rahmen des Projekts „Glück kennt keine Behinderung“. Besondere Augenblicke - eingefangen von einer Künstlerin, die mitten ins Herz guckt. Für die Kinderbetreuung ist an diesem Nachmittag gesorgt.

 

Am darauffolgenden Montag, am 23. Oktober, 19.30 Uhr, geht’s weiter im Programm mit dem Vortrag „Fit for life!“. Cora Halder vom Down-Syndrom Infocenter in Nürnberg referiert in der Alice-Salomon-Schule über Modelle, die zeigen, wie Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter mit Beeinträchtigung aufs Erwachsenenleben vorbereiten können. Der Eintritt ist frei.

 

Journalistin Mareice Kaiser – bekannt als Buchautorin und Verfasserin des Blogs Kaiserinnenreich – ist am Freitag, 27. Oktober, im Kulturzentrum Pavillon zu Gast. Sie liest aus ihrem Buch „Alles inklusive“ von der Unplanbarkeit des Lebens, vom Alltag zwischen Krankenhaus und Kita, von ungewollten Rechtfertigungen, dummen Sprüchen, stereotypen Rollenverteilungen, bürokratischem Irrsinn und schwierigen

Gewissensfragen. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Eintritt: fünf  Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren, Abendkasse: acht Euro.

 

„Die fromme Helene – oder: Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ heißt es am Sonnabend, 28. Oktober ab 17 Uhr  im Inklusiven Café Anna Blume. Axel LaDeur zitiert die „Fromme Helene“ von Wilhelm Busch und wird dabei musikalisch begleitet vom hannoverschen Quartett „Die Fagottiere“. Eintritt: fünfzehn Euro, ermäßigt zwölf Euro.

 

Zum Familiengottesdienst „Gut behütet“ am Sonntag, 29. Oktober, 11 Uhr, laden die Veranstalter in die Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Martin, (Kirchstraße19) ein.

Pastorin Kerstin Häusler gestaltet gemeinsam mit Aktiven aus den Vereinen den Gottesdienst im Rahmen der Miteinanders-Tage. Im Anschluss ist ein Picknick im Gemeindehaus geplant.

 

Professorin Etta Wilken fungiert als Gastreferentin am Freitag, 3. November, 19.30 Uhr, in der Alice-Salomon-Schule. Sie ist unter anderem Expertin für „Sprachförderung von Kindern mit Down-Syndrom im Vorschulalter“ und zeigt Beispiele aus der Praxis, welche Wege für Kinder mit Trisomie 21 besonders geeignet sind, um Sprachübungen zu verfeinern.

 

Die zweite konzertante Lesung im Inklusiven Café Anna Blume findet am Sonnabend, 11. November, 15 Uhr, statt. Marie-Madleine Krause wird aus dem Tagebuch der Anne

Frank lesen, unterlegt mit der Filmmusik von Schindlers Liste, einfühlsam gespielt von Roland Baumgarte am Cello und Andreas Schmidt-Adolf am Klavier.

 

Ebenfalls in der Alice-Salomon-Schule sind Vortrag und Workshop „Trisomie 21 und Mathematik“ am Sonnabend, 18. November, angesagt. Zwischen 10 und 13 Uhr erläutert Torben Rieckmann von der Universität Hamburg, welche spezifischen Lernschwierigkeiten Menschen mit Down-Syndrom haben und wie man ihnen begegnen kann. Im anschließenden Workshop lernen die Teilnehmer, wie sich mit Hilfe der App mathildr mathematische Inhalte erfolgreich vermitteln lassen. Anmeldung: unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Der Eintritt ist frei.

 

26.09.2017 - „Eltern mit besonderen Herausforderungen werden oft allein gelassen“

MOKI begleitet Familien mit schwerstbehinderten und schwerkranken Kindern

Das Leben mit einem schwerbehinderten Kind – Annette Seydlitz weiß, was das bedeutet, wusste es aber lange Zeit nicht. Die Diagnose 1999, dass ihr Sohn sehr schwer erkrankt sei und immer beeinträchtigt sein würde, wirft sie zunächst mal aus der Bahn. Die Hannoveranerin macht sich auf die Suche nach Hilfsangeboten und Beistand außerhalb bürokratischer Abläufe und therapeutischer Unterstützung für das Kind. Und findet: nichts. Für die engagierte Familientherapeutin Anlass genug, ein eigenes Konzept zu erstellen - für die Begleitung und Beratung von Eltern, deren Kinder schwerstbehindert oder lebensverkürzend erkrankt sind. 2011 legte sie den Grundstein für das mobile Kinder- und Jugendhospiz  in Hannover, kurz MOKI. Heute ist ihr Verein so stark gewachsen, dass ein fünfköpfiges Team psychosoziale Beratung und Begleitung für die Familien bieten kann.

Mit unermüdlichem Einsatz sorgt die Gründerin von MOKI dafür, dass sich der Verein für Eltern, Kinder und andere Familienangehörige stark machen kann. Auf eine stabile öffentliche Finanzspritze kann sie dabei nicht setzen. Sie muss mühsam Spendengelder einsammeln – immer wieder von neuem. „Die Anliegen von Eltern mit besonderen Herausforderungen fallen durchs Raster“, betont Annette Seydlitz, die in den sechs Jahren des Bestehens von MOKI zahlreiche Schicksale verfolgt und die Menschen, hinter den Geschichten, unterstützt hat.

„Die Behinderung eines Kindes wirkt sich auf die ganze Familie aus“, weiß sie. Ein behindertes Kind zu haben bestimme über weite Strecken das Leben von Eltern und Geschwistern. Für sie gäbe es keine Lobby. Auch für die Kinder nicht, die mit schwersten, oft nicht klar diagnostizierten Behinderungen oder nicht heilbaren Krankheiten leben müssten. „Zu 80 Prozent besuchen wir die Familien in ihren eigenen vier Wänden oder begleiten sie bei Behördengängen.“ Denn nicht nur die emotionale Unterstützung sei wichtig im Aufgabenfeld des MOKI-Teams, sondern auch die bürokratischen Antworten auf vielfältigste Fragen, meint die Fachfrau. „So bunt wie das Leben ist – so sind auch die Fragestellungen.“

Wie schaffe ich den Alltag? Wie komme ich dahin zu verkraften, dass mein Kind behindert oder schwer erkrankt ist? Welche Rechte und Ansprüche habe ich bei der Unterstützung? – das sei nur eine kleine Auswahl an Fragestellungen, mit denen sich die gut geschulten Therapeutinnen und Pädagoginnen beschäftigen. Viele Eltern, die zuhause ein behindertes Kind pflegen, würden ihre rechtlichen Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Seydlitz: „Wir sind an der Seite der Familien.“ Wo andere Bekannte vielleicht abspringen, weil sie sich mit der Situation überfordert fühlen, sind die MOKI-Powerfrauen zur Stelle. Sie nennen das selbst professionelle Beziehungssicherheit. Und so nüchtern, wie sich dieser Begriff anhört, so meinen sie es nicht. „Die Gefühle stehen bei uns im Mittelpunkt“, betont Seydlitz. So würden sie und ihre Kolleginnen emotional die Mütter von behinderten Kindern unterstützen, die bewusst keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen oder sich nach Vorliegen eines positiven Befunds für das Austragen des Kindes entschieden haben. Diese Mamas würden zunehmend in eine Rechtfertigungsposition gedrängt, weil ‚so etwas‘ doch heute nicht mehr sein müsse. Verantwortlich dafür sei die Zunahme der pränatalen Diagnostik, die den Eindruck erwecke, dass Behinderungen nicht in und zur Gesellschaft gehörten. Einseitige Darstellungen der Defizite würden zum Wahrnehmungsfilter und Problemwirklichkeiten schaffen, die sich nicht unmittelbar aus der Interaktion mit dem Kind herleiten ließen.

„Wir wollen die Familien stärken“, fasst Seydlitz überzeugend den Hintergrund ihrer Initiative zusammen. So auch bei den Elterngruppen im pittoresken Domizil von MOKI in der Ehrhartstraße 4A in Ahlem. Neben Einzelberatung, Elternberatung, Krisenintervention und Trauerbegleitung gibt es bei der Initiative regelmäßige Treffen, in denen sich Eltern austauschen und gegenseitig unterstützen können. Auch ein eigenes Projekt für Geschwisterkinder hat MOKI bereits gestartet.  „Wer bei uns landet, der ist auch willkommen“. Termine gibt es nach Vereinbarung (Telefon: 0511/772221, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Innerhalb von 48 Stunden, versprechen die Mitarbeiter, würden sie sich bei den betroffenen Familien melden.

Mit einem Informationsstand ist Annette Seydlitz am Freitag, 27. Oktober, im Pavillon vor Ort, wenn Mareice Kaiser aus ihrem Buch „Alles inklusive“ liest. Die Autorin des Kaiserinnenreichs im Internet und Journalistin war Mutter einer Tochter mit Behinderung. Vier Jahre lang durfte sie ihr wunderbares kleines Mädchen mit einer seltenen Beeinträchtigung begleiten. In ihrem Buch „Alles inklusive“ erzählt sie von der Unplanbarkeit des Lebens, vom Alltag zwischen Krankenhaus und Kita, von ungewollten Rechtfertigungen, dummen Sprüchen, stereotypen Rollenverteilungen, bürokratischem Irrsinn und schwierigen Gewissensfragen. Ihre Tochter starb im Alter von vier Jahren. Das Netz trauerte. Nicht nur als Bloggerin setzt sich Mareice Kaiser dafür ein, dass behinderte Kinder mehr sein dürfen als Diagnosen - und Eltern mehr als Pflegekräfte. Im Rahmen der Miteinanders-Tage 2017 ist sie Gast der Vereine „Mittendrin“ und „Down-Syndrom Hannover“. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr.  Eintritt: fünf Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren, Abendkasse: acht Euro.

26.09.2017 - Glücksmomente mit einem Chromosom mehr

Schlagzeuger mit Trisomie 21 gibt in hannoverscher Band den Ton an

Ihr Bandname ist Programm: Glücksmomente wollen selbige bescheren – und die dreiköpfige Band schafft’s auch, dem Zuhörer im Gleichklang ihrer Musik wohlige Schauer über den Rücken laufen zu lassen.  Popsongs aller Bourani und Co. servieren die Jungs im heimischen Keller des Bandleaders in Hannover. Dario Dee gibt mit seinen Drumsticks den Takt an. Der 21-jährige ist voll konzentriert und signalisiert Sänger Seyyid B.T. wie Gitarrist DaRed Mike das Startzeichen. „Kopf verloren“ steht jetzt auf dem Programm – ein Song, den Schlagzeuger Dario Dee selbst geschrieben hat. Ein Stück – ruhig und melancholisch wie bei Bourani. Ein Stück wie es in ähnlicher Form in anderen Nachwuchsbands auch im Repertoire sein könnte. Und doch anders. Weil es geschrieben wurde von einem jungen Mann mit Down-Syndrom, einem Mann mit einem Chromosom mehr als es der Durchschnittsmensch hat, einem Mann, den die Gesellschaft gern mal in die Schublade steckt als geistig behindert und wenig produktiv.

Dario Dee hat hehre Ziele; in der TUI-Arena würde er gern mal mit Glücksmomente auftreten, vielleicht sogar als Vorband von Bourani. Träume, die auch andere junge Leute hegen. Die Trisomie 21 – wie das Down-Syndrom ebenfalls bezeichnet wird – hindert ihn nicht in seinem Ehrgeiz. Er möchte ganz oben mitspielen, mit den Großen im Geschäft auf einer Bühne stehen. Der 22- jährige Seyyid B.T. holt ihn dann gern auf den Boden der Tatsachen zurück. „Wir machen Musik – und das ist gut so.“ Der Band gehe es vor allem um das Vergnügen bei der Sache, vom Niveau her ordne er das Trio eher in die Riege anderer Nachwuchsbands in Hannover ein, die auch gern mal auf Festivals, Schulfesten und ähnlichen kleinen Veranstaltungen spielen würden.

„Wir arbeiten gerade daran, zehn Songs am Stück in guter Form präsentieren zu können“, betont der 22-jährige, der derzeit eine Ausbildung zum Ergotherapeuten absolviert. Unterstützt wird er dabei von DaRed Mike, der wie er vor ein paar Jahren als Nachhilfelehrer und Begleiter für Dario Dee zu der Familie in Hannover gekommen ist. Heute habe sich eine dicke Freundschaft zwischen allen dreien entwickelt. „Dass wir bei unseren Treffen Spaß haben – das ist das Wichtigste“, meint der 23-jährige, der eine Ausbildung zum psychotherapeutischen Heilpraktiker anstrebt.

„Unser Stil hat einfach nur mit Glück zu tun“, will es Dario Dee, der im Alltag eine Berufsschule in Bremen besucht, auf den Punkt bringen. So sei es auch zu dem Bandnamen gekommen. Rockballaden von den Beatles, Mainstream-Songs á la Giesinger und Foster – die Musiker zeigen sich vielfältig und haben eben auch eigene Songs im Gepäck. Zum Beispiel bei ihrem Auftritt beim Markt der Möglichkeiten am 21. Oktober im Haus der Region. Die Vereine „Mittendrin“ und „Down-Syndrom Hannover“ eröffnen mit der vielfältigen Informationsbörse zum siebten Mal die erfolgreichen Miteinanders-Tage im Herbst.

Aussteller aus den verschiedensten Bereichen prägen den Informationstreff rund um Inklusion. Um 15 Uhr gibt Sozialdezernent Erwin Jordan das Startzeichen für den Markt der Zukunftsideen mit Cafeteria und Co. Das bunte Programm darf natürlich nicht fehlen in der Veranstaltungskulisse in der Hildesheimer Straße 18. Mit von der Partie sind nicht nur die Jungs der inklusiven Band Glücksmomente, sondern auch kleine Künstler aus der Otfried-Preußler-Schule sowie Lili & Claudius, die an spannenden Experimentierstationen die Wunder der Natur spielerisch erklären. Ausprobieren ist hier ausdrücklich erwünscht. Attraktive Preise gibt’s zu gewinnen bei der Tombola zugunsten der Vereinsarbeit der Veranstalter. Und: Erstmalig bietet Jenny Klestil, Fotografin für das Projekt „Glück kennt keine Behinderung“, ein besonderes Shooting für Familien an. So viel Glück im Titel der Veranstaltung, da ist es nur es nur folgerichtig, dass die Rock- und Popgruppe mit eben diesem vielversprechenden Substantiv im Bandnamen „ein Hoch auf dieses Leben“ á la Bourani ausbringt.

 


15.09.2017 - „Inklusion – aus voller Überzeugung“

Otfried-Preußler-Schule ist innovativesVorzeigebildungshaus in Hannover

 

 

So viele Hände schnellen in die Höhe:  Die Jungen und Mädchen in der 2a der Otfried-Preußler-Schule beteiligen sich auch an diesem Morgen rege am Unterricht, schnipsen mit den Fingern, wollen drankommen. Was sich so selbstverständlich anhört, ist es nicht: Denn die „Lehrerin“ für kurze Zeit ist zu diesem Zeitpunkt ein achtjähriges Mädchen. Chiara nimmt ihre Schulkameraden der Reihe nach dran und fragt ab, was auf den To-Do-Karten für den Tag zu sehen ist. Und noch eine Besonderheit: Chiara hat das Down-Syndrom und drückt mit 20  Klassenkameraden mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam die Schulbank.

 

„Natürlich lernt jedes Kind auf seiner Leistungsstufe“, betont Alexandra Vanin, Rektorin der Otfried-Preußler-Schule in Hannovers Südstadt. In die Klasse 2a ihrer Schule mit dem Motto „Wurzeln geben – Vielfalt leben“ gehen vier Kinder mit so genannter geistiger Beeinträchtigung. Sie alle gemeinsam haben Anrecht auf Förderstunden, die es in der Summe möglich machen, dass in der 2a ständig ein Lehrer-Duo unterrichtet. Noch dazu stehen den Pädagogen drei Schulassistenten zur Seite, die aus einem schuleigenen Pool aus Inklusionshelfern kommen. Das unterstütze den Teamgedanken im Kollegium, erklärt die Schulleiterin und ergänzt: „Für die Lehrer ist es oft vorteilhaft, dass sie nicht mehr allein die auftretenden Probleme innerhalb einer Klasse bewältigen müssen.“ Schließlich gäbe aus auch immer mehr so genannte Regelkinder, die ebenfalls Unterstützungsbedarf hätten.

 

Seit neun Jahren befindet sich die Otfried-Preußler-Schule auf dem inklusiven Weg. Rektorin Margret Dahm, Vorgängerin von Alexandra Vanin, hatte das neue Zeitalter in dem Gebäude an der Meterstraße eingeläutet. Damals noch auf Druck von Eltern, „aber schon aus voller Überzeugung“, so die heutige Schulleiterin. Viel dazulernen mussten Lehrer, Eltern wie Schüler, um fürs gemeinsame Miteinander Hemmschwellen und Ängste zu überwinden. "‘Es ist normal, verschieden zu sein‘ ist seitdem das Motto unserer Schule", sagt Vanin. Für ihr innovatives Konzept und die gute pädagogische Umsetzung hat die Otfried-Preußler-Schule mittlerweile einige Preise eingeheimst.

 

Vergangenes Jahr ist die Schule in die Birkenstraße umgezogen. Die neuen Räumlichkeiten bieten den idealen Rahmen für gelebte Inklusion im Bildungsbereich. 374 Mädchen und Jungen besuchen derzeit die Vorbildschule für die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder. 33 davon haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf - von der Sprache über die geistige Entwicklung bis hin zu den Bereichen Lernen, Hören, Sehen oder Motorik. Für eine gelungene Inklusion sei es Vanin zufolge nötig, alle mitzunehmen: die Kinder, die Eltern und nicht zuletzt die Lehrer. "Die Pädagogen, die eine gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern umsetzen sollen, müssen darauf richtig vorbereitet werden", sagt sie. "Daran hapert es vielerorts noch."

 

Damit das gemeinsame Unterrichten funktioniert, wird darauf geachtet, dass die Schulklassen gut gemischt sind - und dass jedes Kind individuell gefördert wird. Viel Wert wird auf selbstorganisiertes Lernen gelegt, Teamarbeit wird großgeschrieben. Auch unter den Lehrkräften. Gemeinsam gestalten die Pädagogen den Unterricht so, dass jedes Kind Aufgaben bekommt, die seinem Wissensstand entsprechen. Die Rektorin ist überzeugt: "Es ist die Aufgabe von Schule, das Leben in seiner ganzen Vielfalt abzubilden." Zudem würden Studien belegen, dass Kinder in inklusiven Schulen bessere Leistungen erbringen. Sei eine Schulklasse durchmischt, profitierten beide Seiten: Die Kinder mit Förderbedarf würden sich vieles von ihren Schulkameraden abschauen, die Mädchen und Jungen ohne Beeinträchtigungen könnten ihr Wissen vertiefen und soziale Kompetenzen erlernen. Durch Projektarbeit, Lernen an Stationen und anderen Methoden der inklusiven Didaktik würden die Schüler nicht nur rund ums Fachwissen, sondern auch zu Kooperation und Rücksichtnahme geschult. Durch den Lehr-Lern-Effekt, der eintritt, wenn ein Mädchen oder Junge einem Mitschüler etwas erkläre, festige sich das Wissen des Kindes, das in die Lehrerolle geschlüpft sei.

 

In der Otfried-Preußler-Schule wird seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich praktiziert, was momentan deutschlandweit ein großes Thema ist. „Wir haben unser großes Ziel noch nicht erreicht“, beschreibt die Rektorin weitere Pläne. „Wir sind erst eine richtige inklusive Schule, wenn wir auch Ausbildungsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen anbieten.“ Ideale Möglichkeiten würden sich beispielsweise in den Bereichen Küche, Bücherei und PC-Erfassung bieten. „Die jungen Leute mit Handicap haben ebenfalls das Recht auf Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt.“

 

Für Vanin steht fest: „Inklusion funktioniert – wenn sie richtig gemacht wird.“ Gern mache sie Aufklärungsarbeit und informiere sachlich über die verschiedenen Hintergründe von Beeinträchtigungen. Sie versuche, Vorurteile auszuräumen, ließe aber Stimmungsmache gegen Inklusion an ihrer Schule nicht zu. „Ich bin nicht ansatzweise bereit, Feindseligkeiten Tür und Tor zu öffnen.“ Das hat sich für die Schule in der Südstadt gelohnt: Jüngst wurde sie vom Deutschen Down-Syndrom-Center mit dem nationalen Preis für vorbildliche inklusive Arbeit ausgezeichnet.

 

Am Sonnabend, 21. Oktober, 15 bis 18 Uhr, präsentiert das Team der Otfried-Preußler-Schule Grundsätze und Vorhaben seines Hauses beim Markt der Möglichkeiten  im Haus der Region. Die Vereine „Mittendrin“ und „Down-Syndrom Hannover“ laden ein zu einem vielfältigen Nachmittag mit zahlreichen Informationen und buntem Programm. Weitere Informationen gibt’s im Internet unter http://www.down-syndrom-hannover.de/woche-des-down-syndroms oder beim Verein „Mittendrin“, Telefon: 0511/4500644.