Grußwort


Im Namen unseres Vereins möchten wir Sie herzlich zu unserer diesjährigen "Woche des Down-Syndroms" einladen.

Wir verstehen diese Woche als eine von vielen Möglichkeiten, dem Thema "Behindertsein" in unserer Gesellschaft auf eine vielfältige Art zu begegnen. Am Beispiel "Down-Syndrom" werden verschiedene Aspekte einer gesellschaftlichen Realität dargestellt werden:

  • -Bei der Frage um eine Organtransplantation (1. Abend) geht es unter anderem um die ethische Frage nach unterschiedlich zu bemessenem gesellschaftlichen sowie subjektiven Wert, den eine Organtransplantation für ein behindertes Kind einnehmen kann. Was ist dabei Lebensqualität, Lebensglück? Wie wird dem gesellschaftlich begegnet?
  • -Das Thema "gesellschaftliche" Integration wird am Beispiel verschiedener Angebote von Schullaufbahnen für Kinder mit Down-Syndrom aktuell diskutiert. (3. Abend) Integration bis hin in die Schulzeit scheint noch möglich zu sein. Wie sieht die außerschulische Realität aus?
  • -Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesellschaftliche Integrierbarkeit ist die Möglichkeit einer verbalen Kommunikation. Durch entsprechende Sprachentwicklungs- und Förderungsprogramme (Gebärden unterstützende Kommunikation) hat inzwischen fast jedes Kind mit Down-Syndrom die Chance, sich deutlich und selbstbewußt zu vermitteln und interaktiv zu werden (4. Abend).


Diese Punkte sind einige Beispiele einer – durch die emphatische Begrüßung der Genomentschlüsselung – sehr brisant gewordenen, kontrovers geführten Diskussion um das Gesamtthema "Behinderung".

Unser Blick richtet sich jedoch nicht nur auf gesellschaftsklimatisch beunruhigende Tendenzen, sondern vielmehr auf die besonderen Lebensqualitäten, die wir durch unsere Kinder hinzugewonnen haben.

Damit auch Sie neue Erfahrungen in der Wahrnehmung, im Kontakt mit behinderten Menschen machen können, haben wir die theoretischen Angebote dieser Woche durch kulturelle ergänzt. Wir hoffen, daß Veranstaltungen wie der "Cirkus Bunttropfen", das Konzert "Aus aller Herren Länder" und der "Markt der Möglichkeiten" Ihnen und uns viele Berührungspunkte bieten, durch die eine "gesellschaftliche Integration" in natürlicher, konkreter und erhoffter Weise gelebt und erlebt werden kann.

Aus den sicherlich vielen Anregungen und Eindrücken unserer diesjährigen "Woche des Down-Syndroms" heraus ist es auch in diesem Jahr unser Wunsch, sie mit einem Abschlußgottesdienst ausklingen zu lassen.

Ein besonders schöner Höhepunkt wird es sein, daß durch die Taufe von Melina Klipfel neben aller Diskussion um Lebensglück oder Glücksverhinderung ein Symbol für das Leben gesetzt wird, das einfach angenommen werden will und sich eindeutig über allen Argwohn hinwegsetzt.

Chr. Joost-Plate, Vorsitzende

 

 

Montag, d. 02.10.2000 20.00 Uhr




Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Professor Dr. med. Jochen H. H. Ehrich, Kinderkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover: "Ja zur Organtransplantation bei behinderten Kindern!


Kinder mit einer Trisomie 21 haben ein erhöhtes Risiko für angeborene Herzfehler, Schilddrüsendysfunktion, Infektionen, Anomalien des Magen-Darm-Traktes und andere Störungen, die unter Umständen zum Versagen von Organen führen können.

Es stellt sich die Frage, inwieweit Patienten mit Down-Syndrom bei Organversagen als Kandidaten für den Empfang eines Organtransplantates akzeptiert werden. Die Statistiken zeigen, daß bisher weniger Patienten mit Down-Syndrom ein Herz- oder Nierentransplantat erhalten haben, als aufgrund der Häufigkeit der Organstörungen zu erwarten gewesen wäre. Könnte es sein, daß Patienten aufgrund ihrer Behinderung gegenüber nicht-behinderter Patienten einen Nachteil bei der Berücksichtigung einer Organtransplantation haben?

Aus medizinischer Sicht gibt es nur sehr wenige Kontraindikationen, die gegen eine Organtransplantation sprechen. Patienten mit Down-Syndrom sowie Patienten mit anderen Behinderungen sind grundsätzlich nicht anders zu behandeln als Patienten ohne Behinderung.

Es mag ein Eindruck entstanden sein, daß sich Mediziner nahezu ausschließlich mit komplizierten chirurgischen, immunologischen oder medikamentös-therapeutischen Problemen befassen und daß ethisch-humanitäre Aspekte eher zweitrangig behandelt werden. Die Realität zeigt jedoch, daß gerade im Bereich der Organtransplantation medizinische und ethische Aspekte von gleichrangiger Bedeutung sind, daß Probleme der "Randgruppen und Minoritäten" eine besondere Beachtung finden.

Der Vortrag soll nicht nur medizinische, sondern auch ethische, soziale, ökonomische und politische Aspekte der Organtransplantation bei Menschen mit einer Behinderung beleuchten.

Dienstag, d. 03.10.2000 17.00 Uhr



Gartensaal der Freien Waldorfschule Maschsee
Kindercirkus Bunttropfen


Die Geschichte eines „Tropfens“, der anfing, in immer schöneren Farben zu leuchten

Es war eine kleine Gruppe von Kindern, die sich regelmäßig bei einem von ihnen zu Hause trafen, um Circus zu spielen.

Sie verkleideten sich und machten das nach, was sie auf Bildern, im Circus oder in ihrer Phantasie sahen. Nach und nach wurden es immer mehr Kinder, die an dieser Art Freizeitgestaltung Interesse fanden.

Eltern nähten die ersten Kostüme und bauten Requisiten, und seit 1989 gibt es öffentliche Auftritte.

Alte Kinder gingen, neue kamen und auch die Trainer wechselten. Aber immer war das Publikum verzaubert von dem, was es geboten bekam.

Weil der Zirkus im letzten Jahr dem Publikum so gut gefiel, haben wir ihn im diesen Jahr wieder eingeladen.

Mittwoch, d. 4.10.2000 20.00 Uhr




Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Welche Schule soll mein Kind besuchen?
Hannoversche Einrichtungen stellen sich selbst vor:



Wilhelm Schade Schule
Freudenthalstr. 10 c
30419 Hannover

vertreten durch Herrn Bohl
Stichwort: "Regionalkonzept"

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Selma-Lagerlöf-Schule
Am Wischacker 7
30952 Ronnenberg/Empelde

vertreten durch Herrn Peter
Stichwort: "G-Schule"

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Grundschule Am Lindener Markt
Davenstedter Str. 14
30449 Hannover

vertreten durch Frau Blanck
Stichwort: "Kooperationmodell"

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Comeniusschule
Kollenrodtstrasse 3
30161 Hannover

vertreten durch Frau Hordych
Stichwort: "Integrationsklasse"

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Freie Martinsschule
Am Südtor 15
30880 Laatzen

vertreten durch Herrn Christiansen
Stichwort: "Anthroposophische Schule"

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Donnerstag, d. 05.10.2000 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee


Professor Dr. Etta Wilken, Universität Hannover
Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom


Kinder mit Down-Syndrom entwickeln sich langsamer als nicht behinderte Kinder, und durchschnittlich kann man von einer etwa doppelt langen Entwicklungszeit ausgehen. Dabei ist aufgrund der verschiedenen spezifischen Beeinträchtigungen jedoch die Sprachentwicklung besonders betroffen.

Allerdings ist fast immer deutlich, daß das Sprachverständnis bei Kindern mit Down-Syndrom erheblich besser ist, als ihr Sprechvermögen vermuten läßt. Für Kinder mit Down-Syndrom ergeben sich daraus frustrierende Situationen. Sie sind in der Lage, Sprache zu verstehen, sie haben das Bedürfnis, etwas mitzuteilen, aber sie werden nicht verstanden. Es sind deshalb besondere und individuell angepaßte Hilfen erforderlich.

Für Kinder, die sich noch im Spracherwerb befinden, sind ergänzende Kommunikationsformen sinnvoll, um die lange Zeit eingeschränkter oder fehlender Mitteilungsfähigkeit zu überbrücken und die sonst oft frustrierenden Erfahrungen aufgrund mangelhafter Verständigungsmöglichkeiten zu vermeiden.

Innerhalb der normalen Sprachentwicklung geht der Gebrauch von Gesten dem der gesprochenen Sprache voraus und spielt bei allen Kindern eine wichtige Rolle für Kommunikation. Die Benutzung von Gesten ist demnach eine normale entwicklungstypische Kommunikationsform.

Gebärden zur Unterstützung der Sprache ermöglichen, ein natürliches Verständigungsmittel bewußter einzusetzen und mit konventionelle Zeichen zu erweitern. Aus England liegen einige Untersuchungen vor, die zeigen, daß Gebärden nicht nur die Kommunikationsfähigkeit verbessern, sondern auch das Sprechenlernen definitiv beschleunigen können.

Gebärden unterstützte Kommunikation (GuK) ist gerade für die Arbeit mit jüngeren Kindern mit Down-Syndrom wichtig, die sich in der Sprachentwicklung befinden, um eine wichtige präverbale Verständigungsmöglichkeit zu bieten, ohne dabei eine spätere lautsprachliche Entwicklung zu blockieren.


Freitag, d. 06.10.2000



17 Uhr Gartensaal der Freien Waldorfschule
Aus aller Herren Länder

Ein Konzert der Freien Musikschule Hannover

Programm:
Eine Komposition für vier Hörner
Hornensemble QuatroCorni: Henrich Schäfer, Petra Röpenack, Meike
Unger, Margje Imandt

François Couperin: Pièce en concert für Cello und Klavier
- Prélude
- Sicilienne
- La tromba
- Plaint
- Air de diable
Sabine Lauer - Cello; Margarete Lampasiak - Klavier

Turlough O'Carolan: Irische Volkslieder für Leier
Maria Hollander - Leier

Witold Lutoslawski: Tanzpräludien für Klarinette und Klavier
Sabine Modrach - Klarinette; Regina Henneking - Klavier

David Popper: Ungarische Rhapsodie für Cello und Klavier
Ludwig Döll - Cello; Margarete Lampasiak - Klavier

Zdenek Bartos: Adagio elegiaco e Rondo für Waldhorn und Klavier
Petra Röpenack - Horn; Regina Henneking - Klavier

Samstag, d. 07.10.2000 15.00 Uhr


Gelände der Freien Waldorfschule Maschsee
Markt der Möglichkeiten


Behinderteneinrichtungen stellen sich und ihre Produkte vor. Was erwartet unsere Kinder nach der Schule? Was wird in den Werkstätten gemacht? "Der Markt der Möglichkeiten" gibt uns einen kleinen Einblick über das Schaffen von Menschen mit Behinderung. Bietet die Werkstatt nur eine Beschäftigungstherapie oder ist sie Lebenssinn?

Es werden vertreten sein:

Werk- und Lebensgemeinschaft Dalle e.V.
An der Schule 2
29348 Eschede OT Dalle

Sozialtherapeutische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft
Gut Adolphshof
31275 Lehrte OT Hämelerwald

Behindertenhilfe Berkhöpen - Burgdorf
Am Berkhöpen 3
31234 Edemissen

Martinshof e.V.
Klein Bollensa
29559 Wrestedt

Der genaue Ausstellungsort wird mit Hinweistafeln am Schuleingang der Freien Waldorfschule bekanntgegeben

 

Sonntag, d. 08.10.2000


 

10.00 Uhr in der Marktkirche Hannover

Abschlußgottesdienst mit Pastorin Claudia Panhorst-Abesser

Zum Ausklang der Woche laden wir Sie zu einem Taufgottesdienst in der Marktkirche ein.
Thema der Predigt ist "Weil Du so wertvoll bist in meinen Augen ..."

Täufling ist Melina Klipfel, ein Mädchen mit Down-Syndrom

Es singen Mitglieder des Bachchores Hannover unter Leitung von Prof. Jörg Straube