Grußwort



Die Olympiade ist gerade vorbei: wieder wurden Höchstleistungen gezeigt, neue Weltrekorde aufgestellt, Tränen des Glücks und der Überwältigung bei der Medaillenverleihung vergossen. Schon beim Mitverfolgen dieser Szenarien geriet der Zuschauer in mannigfache Wechselbäder der Gefühle. Jahrelanges Training, Üben kann also zum ersehntenErfolg führen, kann gipfeln im Erklimmen des Siegertreppchen, das – zumindest in dem Moment – „die Welt" bedeutet. Welch`ein Traum!

Wie wirken solche Bilder des Stolzes, des Gefeiertwerdens auf uns, die immer neu lernen müssen, völlig andere Lebenswege zu akzeptieren? Wege, die zunächst einmal kaum Interesse in der Öffentlichkeit finden, weil sie mit viel zu wenig Spektakulärem einerseits und viel zu wenig Normalität andererseits verknüpft sind: nur zu deutlich erfahren wir als „Betroffene" an dieser Stelle sehr schnell die Zuordnung in die Gruppe der Bemitleidenswerten, der „Randgruppen", der „Verlierer"?

Aber es gibt auch völlig andere Aspekte, die diese Olympiade der „Starken" und „Stärken" für uns beispielhaft werden lassen können, nämlich: wenn wir zu der Gruppe olympischer Sportler hinschauen, die genauso gearbeitet, sich genauso vorbereitet haben wie die Sieger, jedoch um Hundertstelsekunden die Medaille verpassten. Sie gelten sofort als Verlierer, obwohl sie bereits Grandioses bewiesen durch ihre Qualifikation für die Finalrunden der olympischen Spiele. In einzelnen Interviews mit den Sportler/innen erfuhr man glücklicherweise trotz diverser Verisse selbstbewußte Standpunkte wie z.B.: die Freude darüber, sich überhaupt bei derartigen Wettbewerben mit anderen messen zu können; die Freude am gegenseitigen Austausch; die Freude über die eigene Leistung, die Genugtuung darüber, derartiges „für sich selbst" erreicht zu haben – unabhängig vom Medaillensieg.

Wahrscheinlich sind dies neuralgische Punkte, mit denen sich auseinanderzusetzen immer erforderlich bleiben wird:

  • das Empfinden einer echten Freude über persönliche „Errungenschaften" oder Fertigkeiten, unabhängig vom Vergleich mit anderen, ohne öffentlichen Applaus

 

  • die Fähigkeit, von dieser Freude ausgehend, den Weg folgerichtig, diszipliniert und zielgerichtet fortzusetzen zu neuen persönlichen Erfolgen

 

  • der Mut, „über den eigenen Tellerrand des Vertrauten hinüberzublicken"; d.h. durchaus in die Welt um uns herum zu schauen, um wachen Sinnes kennenzulernen, wie andere Menschen, andere Kulturen, andere Denkarten und entsprechend andere Normvorstellungen sich auf unser Leben mit Menschen mit Behinderung konkret beziehen und sogar übernehmen lassen.


In diesem Zusammenhang ist ein Sich-Vergleichen, ein Sich-Messen mit Anderen sogar ein sehr hilfreicher Schritt, um individuelle Potenziale sinnvoll zu nutzen.

Unser Programm bietet in dieser Hinsicht einiges: viel Reflexion und Diskussionsstoff über konkrete Wege zum zunehmend selbstbestimmten Leben von Menschen mit Behinderung sowie entsprechende Methodiken und Materialien, die dezidiert vorgestellt werden.

Wir erfahren: das Machbare, die Konzepte, das Material, alles ist in gigantischer Auswahl verfügbar.

Allerdings: das Wichtigste im Umgang mit unseren Kindern bleibt immer wieder der wachsame, sensible Blick für sie: was benötigen sie wirklich? Wo dürfen wir für sie Türen öffnen, durch die sie für sich selbst verfügbare, neue Welträume entdecken können? Wo ist ihr persönlicher Fortschritt, ihr persönlicher Sieg?

Und das Allerwichtigste: sind sie möglicherweise längst Sieger in Disziplinen, zu denen wir verlernt haben, hinzuschauen?

Könnte es sich hierbei etwa um Fähigkeiten handeln, die in uns Sehnsucht oder gar Neid auslösen?

Ich glaube, das Zusammentreffen von so vielen verschiedenen Menschen, Themen, Anregungen in dieser „Woche" kann viel zu dem Thema „Wettbewerb" und „Sich messen lassen" im besten Sinne beitragen.

Es lohnt sich, hinzuschauen!

Chr. Joost-Plate, Vorsitzende Down-Syndrom-Hannover e.V

 

Freitag, 30.09.04, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Prof. Dr. Etta Wilken:
Syndromspezifische Aspekte der Entwicklung von Identität und Interessen

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Bereits jüngere Kinder mit Down-Syndrom vergleichen sich mit ihren Geschwistern und mit anderen Kindern und stellen erste Fragen, die ihre Schwierigkeiten bzw. äußere Veränderungen betreffen.

Mit zunehmendem Alter, besonders aber in der Pubertät erfolgt dann oft eine differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung. Es ist deshalb wichtig, ihnen eine einfühlsame Begleitung anzubieten, die ihrem Alter und ihrer Entwicklung entspricht.

Nachdem die Kinder oft vielfältige Therapien und Förderangebote erhalten haben, die wir für erforderlich hielten, wird es mit zunehmendem Alter wichtig, die Entwicklung eigener Interessen zu unterstützen. Auch Möglichkeiten für unterschiedliche soziale Kontakte mit Behinderten und Nichtbehinderten sind zu gestalten, damit Freundschaften sich bilden können.

Eine Identität, die Behinderung nicht tabuisiert sondern als Teil der Persönlichkeit integriert, individuelle Interessen, die sich realisieren lassen und Freundschaften, die neben den sozialen Kontakten in der Familie bestehen, ermöglichen Menschen mit Down-Syndrom heute ein zunehmend selbstbestimmtes und unabhängiges Leben.

Zusätzlich zu ihren Forschungstätigkeiten zum Down-Syndrom, die sie nach eigenen Worten als Hobby betreibt, hat Frau Prof. Wilken seit 1972 einen Lehrstuhl für Allgemeine und integrative Behindertenpädagogik an der Uni Hannover inne.

Ihr Buch "Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom" ist längst eines der Standardwerke der Fachliteratur. In der letzten Ausgabe wird das "GuK"- System vorgestellt. Durch diese Gebärden- unterstützte Kommunikation (GuK) können Kinder früh sprachlich aktiv werden und am normalen, gemeinsamen Leben unkompliziert teilnehmen.

Auch ihre Neuerscheinung „Menschen mit Down-Syndrom in Familie, Schule und Gesellschaft" ist unbedingt empfehlenswert.

 

 

Samstag, 02.10., 15.00 -18.00 Uhr


 

Freie Waldorfschule Hannover Maschsee

Markt der Möglichkeiten



Als ein Forum der Begegnung hat sich der „Markt der Möglichkeiten" bereits etabliert. Informationen über Kindergärten, Schulen und Berufsmöglichkeiten für Menschen mit Down-Syndrom werden ausgestauscht.

Zahlreiche Institutionen nehmen die Gelegenheit wahr, sich vorzustellen. Neben intensiver Information über Lebens- und Arbeitsweisen in Lebensgemeinschaften wird wieder eine große Produktpalette (Holz-, Werk- und Schneiderarbeiten, Geschenkartikel, Spielzeug etc.) zum Einkaufen verführen.

Diverse Aktionen für die kleinen Leute (Kletterwand, Ponyreiten, Murmelbahn etc.) regen zum Mitmachen an. Das beliebte, integrativ arbeitendes Café Artig betreibt die Kaffeestube.

Selbstverständlich gibt es während der gesamten "Marktzeit" eine Kinderbetreuung.

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Freitag, 03.10.03, 15.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Kinderzirkus Bunttropfen


Sie verkleideten sich und machten das nach, was sie auf Bildern, im Circus oder in ihrer Phantasie sahen. Nach und nach wurden es immer mehr Kinder, die an dieser Art Freizeitgestaltung Interesse fanden.

Eltern nähten die ersten Kostüme, bauten Requisiten, und seit 1989 gibt es unter dem Motto "Kinder spielen für Kinder" öffentliche Auftritte.

Alte Kinder gingen, neue kamen und auch die Trainer wechselten. Aber immer war das Publikum verzaubert von dem, was es geboten bekam.

Präsentiert werden klassische und ungewöhnliche Nummern, die spritzig, träumerisch und rasant, ein Programm für die ganze Familie bieten: Jonglage, Seiltanz, Einradfahren, Akrobatik, Rope Skiping und vielem mehr.

Unterstützt werden die 30 Artisten (Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren) dabei durch eine richtige Circus-Band.

Heute ist Bunttropfen längst über die Grenzen der Stadt Hannover bekannt und Auftritte im gesamten Bundesgebiet und auf internationalen Festivals gehören zu einer erfolgreichen Saison.

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Montag, 04.10.04, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Dr. Peter Wachtel, Kultusministerium:

Perspektiven sonderpädagogischer Förderung in Niedersachsen.


Eine Kernaussage des gesamten, ganzheitlich ausgerichteten bildungspolitischen Konzepts der Landesregierung lautet: „Wir wollen jedes Kind so fördern, wie es Förderung braucht. Niemand soll zurückbleiben, niemand soll verloren sein. Im Mittelpunkt steht der Mensch, nicht die Einrichtung." Alle Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch darauf, dass ihrem jeweiligen individuellen Förderbedarf in geeigneter Weise entsprochen wird.


Der vorliegende Grundsatzerlass zur sonderpädagogischen Förderung, um den es bei diesem Vortrag gehen wird, richtet sich daran aus.


Es wird davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf grundsätzlich in allen allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können. Entscheidend ist jedoch der individuelle Förderbedarf des Kindes. Die Frage muss lauten: Welche Förderung ist die beste für das jeweilige Kind? Das kann das Angebot der Förderschule sein, aber auch der Unterricht in einer allgemeinbildenden Schule mit entsprechender Unterstützung.


Individueller Förderbedarf zeigt sich normalerweise in verschiedenen Bereichen. Die Zusammenfassung verschiedener Förderschwerpunkte in einem Erlass ermöglicht, die für jede Förderschule notwendigen Aussagen z.B. zur Mitwirkung der Erziehungsberechtigten, zur Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung oder zur Vernetzung machen zu können..


Dr. Peter Wachtel, Osnabrück, ist im Kultusministerium zuständiger Referent für die sonderpädagogische Förderung in allen Schulformen.


Er ist Grund-, Haupt- und Sonderschullehrer, war Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehrerausbildung an der Universität Oldenburg, Rektor des Ausbildungsseminars in Osnabrück, Schulrat in Braunschweig und in der Grafschaft Bentheim, Dezernent in der Bezirksregierung Weser-Ems für Gesamtschulen.

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Mittwoch, 06.10.04, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee



Jens Mengeler, Memory-Institut:
Welche Faktoren beeinflussen das Lernen in komplexen Handlungssituationen

Jede Therapieform hat sicherlich ihren eigenen Blick auf das Thema „Lernen".


Das Institut Memory besteht seit 15 Jahren und verfolgt einen kognitiven, prozessorientierten Ansatz. Das heißt, man betrachtet insbesondere die Parameter des Lernens, die durch uns Menschen bewusst beeinflusst werden können.

Man arbeitet mit Kindern mit Lern- und Leistungsstörungen, wie z. B. der Teilleistungsschwäche, LRS, Dyskalkulie oder auch ADS/HKS, bei Kindern mit Down-Syndrom, aber ebenso auch mit Managern.

In allen Bereichen werden die gleichen Parameter angesehen und in der Therapie der gleiche Ansatz verfolgt, nämlich die Bewusstmachung dieser Parameter, bzw. dort wo notwendig, deren Optimierung.

Die Erfolge zeigen, dass dieser Ansatz dazu führt, den Menschen langfristig zu einer eigenständigen, an seinem Leistungsvermögen orientierten Handlungskompetenz heranzuführen: Selbstständig Lernen im wahrsten Sinne des Wortes.

An einem Beispiel kann dies deutlich gemacht werden: dem herkömmlichen Methodentraining. Es fördert die Anzahl der bekannten Methoden, stellt somit eine Erweiterung des deklarativen Bereiches im Gehirn dar, des Ortes, an dem eher „das Fachwissen" abgespeichert ist.

Wichtig aber wäre, das Ständige Lernen, d.h. die Analysefähigkeit zu fördern, mit der der Lernende für sich selbst erkennt, welche Methode jeweils einsetzbar und für ihn geeignet ist.

Jens Mengeler besuchte zunächst die Hauptschule, machte mit 23 sein Abitur auf dem 2. Bildungsweg, nachdem er eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatte und 4 Jahre in leitender Tätigkeit und leitender Position tätig war. Anschließend studierte er Sonderpädagogik an der Universität Köln und gründete 1990 Memory.

Memory gibt es heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz an über 90 Standorten.

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Freitag, 30.09.04, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee



Dokumentarfilm: „Reise nach Mongolien"


Was empfinden Menschen mit Down-Syndrom, wenn man sie auf ihre Situation als Behinderte anspricht?

Ist dies eine Frage, die nicht gestellt werden darf? Eine Frage, zu der man von einem Behinderten ohnehin keine sinnvolle Antwort erwarten kann?

Als Eltern sind wir vom Zeitpunkt der Diagnose „Down-Syndrom" an ständig dabei, uns schützend vor unsere Kinder zu stellen, befremdende Bemerkungen und Blicke der Umgebung nicht spürbar werden zu lassen, uns rundherum für möglichst glatte Wege zu Gunsten unserer Kinder einzusetzen.

Und jetzt so eine Frage? Da stockt der Atem. Aber es gibt Antworten in diesem Film, Antworten, die klug sind, die überzeugen – und die von Menschen mit Behinderung formuliert werden.

In einer Zeit, in der die Genetik und der Fortschritt der Wissenschaft dabei sind, Anomalien und Behinderungen zunehmend zu eliminieren, zeigt dieser Film, als wie sinngebend sich jedes Leben erweisen kann.

Ein Dokumentarfilm von Bernard Martino, Frankreich / Deutschland 2003.

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Sonntag, 10.10.04, 10.00 Uhr


Marktkirche



Familiengottesdienst


Am 10. Oktober 2004 um 10 Uhr feiern wir einen Familiengottesdienst mit allen Kindern in der Marktkirche. Unser Motto in diesem Jahr lautet: „Wenn dein Kind dich morgen fragt ... "

Es ist das Leitwort des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der vom 25.-29. Mai 2005 in Hannover stattfinden wird.

Der Beginn eines Satzes aus der Bibel (genauer: 5. Buch Mose 6,20) lässt Vieles offen, z.B. Was antworten wir, wenn uns unser Kind oder unsere Kinder morgen fragen? Und welche Fragen werden sie stellen?

Welche Fragen bewegen große und kleine Kinder, die mit dem Down-Syndrom auf die Welt gekommen sind? Heute, und im Blick auf morgen?

Eine Frage lädt zu weiteren Fragen ein. Machen wir uns in dem Gottesdienst gemeinsam auf die Suche. Wir sind gespannt darauf, was wir miteinander entdecken werden und freuen uns auf den gemeinsamen Gottesdienst mit vielen Liedern, Musik, Geschichten und Gebeten.

Nach ihrem Pastorat an der St. Jacobi-Kirche Göttingen und langjähriger Tätigkeit als Krankenhausseelsorgerin und in der Friedensgemeinde ist FrauKreisel-Liebermann seit Dezember 2003 Pastorin an der Marktkirche Hannover.

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