Grußwort



"... wenn Dein Kind Dich morgen fragt...“ unter diesem Motto wurde im Mai der Deutsche Evangelische Kirchentag in Hannover veranstaltet. Hier fanden mehrere hunderttausend Menschen Raum, Wertigkeiten des eigenen und/ oder gesellschaftlich- gehandhabten Lebens neu zu bedenken und zu ordnen. Oberste Priorität hatte die Respektanz individuellen Lebens als unantastbarer Wert.

Ungefähr drei Monate später lud die katholische Kirche zum Weltkirchentag der Jugend nach Köln ein. Wieder trafen sich hunderttausende vor allem junger Menschen, um im gemeinsamen Glauben dem Leben in vielerlei Weise zu huldigen und zu danken. Das Kirchenoberhaupt der katholischen Welt, Papst Benedict 16. überhöhte die Veranstaltung u.a. durch seine unmissverständlichen, unverrückbaren Glaubensgrundsätze, die das menschliche Wesen als höchstes irdisches Gut, als nicht zu manipulierendes Werk Gottes verstanden wissen wollen.

Demgegenüber steht so krass wie nie zuvor ein Verständnis von Wissenschaft (hier: Medizin), das gerade in der Demonstration grandioser Forschungserfolge auch immer wieder ethische Grenzen erreicht (die Diskussionen um embryonale Stammzellenkultivierung, um legale Abtreibungen bis zum 9. Schwangerschaftsmonat bei entsprechender Indikation, um das Klonen von Lebewesen etc. sind uns ja bekannt).

Daneben überschlagen sich Vorschläge zur zeitnahen Verbesserung des Leistungs- und Bildungsniveaus nicht nur bei Schülern, sondern bereits bei Klein- und Kleinstkindern. Zentralabschlüsse an allen Schultypen sollen eine maximale Lern- und Lehreffizienz bewirken etc, etc.

Ganz eindeutig: Der Fortschritt rast....

Was hat dies nun mit uns, dem Verein"Down-Syndrom-Hannover“ zu tun, dessen Mitglieder doch ganz andere Themen für sich zu bearbeiten haben? Wir sind durch oben skizzierte Realität unmittelbar, unmissverständlich, vielen Widersprüchen und Konflikten ausgesetzt;

*Widersprüche, die sich immer mehr verfestigen einerseits im Postulat des Rechts eines Jeden auf ein individuelles Leben, auf individuelle Unterstützung, auf einen würdigen Platz in der Gesellschaft

*andererseits in einem Klima des Unverständnisses und der Ablehnung gegenüber allem jenseits der Norm Befindlichen. Dies betrifft und trifft ganz besonders Menschen in Randgruppen (Alte, Kranke, Behinderte, sozial Ausgegrenzte).

Gedacht und geredet wurde über diese Kontroversen schon viel. Die brennende Frage aber bleibt, wie sich Antworten entwickeln lassen, die konkret umsetzbar, lebbar werden? Ich habe den Eindruck, dass z.Z. der allzu große Anspruch an einen einzigen, alles verbessernden „Rundumwendeschlag“ viele kleine Bewegungen verhindert. Möglicherweise könnten aber gerade diese die Grundfesten eingemauerten Denkens erschüttern. Dazu ein Beispiel:

Beim Abschlussgottesdienst des ev. Kirchentages sprach der Kirchentagspräsident Prof. Dr. Dr. E. Nagel darüber, dass in unserer Gesellschaft „Fortschritt“ nicht bedeuten könne, das Maß der Beschleunigung von Lebensschritten und – entwürfen ständig zu erhöhen (wie oben beschrieben), sondern im Gegenteil: „Fortschritt“ würde zu sehen sein in einer „Entschleunigung“.

Diese „Entschleunigung“ kann Raum bieten für eine Ausleuchtung des eigenen Standortes. Das kann bedeuten, mehr Möglichkeiten zur Selbstverantwortung und Selbstbestimmung zu entdecken – eine Grundvoraussetzung für aktives Handeln, für kritisches, aktives Mitgestalten.

Auf dieser Basis gewänne jeder Einzelne ein Maß an „Gesellschaftsfähigkeit“, durch die diese Gesellschaft einen wünschenswerten Wandel erfahren könnte.

Vielleicht könnten wir dann sogar antworten, „....wenn Dein Kind Dich morgen fragt...“

Die „Woche des Down-Syndroms“ ist ein Schritt, ein Angebot in diese Richtung.

Chr. Joost-Plate, Vorsitzende Down-Syndrom-Hannover e.V

 

Sonntag, 25.09.05, 10.30 Uhr



Markuskirche, List

Familiengottesdienst

Dieses Jahr schließen wir unsere „Woche des Down-Syndroms“ mit einem Gottesdienst auf. Dazu trefffen wir uns in der Markuskirche am Lister Platz. Gemeinsam mit Pastor P. Sauppe, an dieser Kirche tätig, laden wir Sie herzlich zu einem Familiengottesdienst ein: große und kleine Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde und alle die dabei sein möchten. Wir freuen uns auf fröhliche Lieder, Texte und Gedanken, die uns während der folgenden „Woche“ begleiten können.

Montag, 26.09.05, 20.00 Uhr

 



Blauer Saal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Prof. Dr. Etta Wilken: Jetzt bin ich kein Kind mehr!


Image


Nach der Grundschulzeit stellt sich die Frage, welche Aspekte des schulischen Lernens und der allgemeinen Förderung in diesem Alter zunehmend zu berücksichtigen sind.
Die individuellen Fähigkeiten der Heranwachsenden weisen große Unterschiede auf, aber es gilt auch, syndrom-spezifische Aspekte zu reflektieren.
Obwohl es auch viele Übereinstimmungen mit der normalen Entwicklung gibt, sind die Diskrepanzen zwischen körperlicher, kognitiver und emotionaler Entwicklung doch besonders ausgeprägt und machen eine unterstützende Begleitung erforderlich.
Bei der Beschreibung der individuellen Lernziele sind auch Aspekte des nachschulischen Lebens und Arbeitens zu reflektieren.

  • -Aspekte des schulischen Lernens nach der Grundschule
  • -physische und psychische Entwicklung
  • -Zukunftsperspektiven


Seit über 30 Jahren widmet sich Frau Wilken dem Thema Down-Syndrom. Neben dem Angebot zahlreicher Seminare für Eltern von Kindern mit Down-Syndrom hat sie sich vor allem in dem Gebiet der Sprachentwicklung einen Namen gemacht (Gebärden- unterstützende Kommunikation, GuK)

Mittwoch, 28.09.05, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Frau Gabriele Iven: Interdisziplinäre Unterstützung für Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung


Image
Oft fragen sich Eltern von Kindern mit Handicap: warum besteht so wenig Austausch zwischen dem Krankengymnasten und der Logopädin? Und: kennen die beiden eigentlich den Ergotherapeuten?

Dabei ist für eine optimale Förderung ein Miteinander, ein verzahntes Arbeiten aller Therapeuten unter Einbeziehung der Eltern von großem Nutzen.
Frau Gabriele Iven, Logopädin und Lehrtherapeutin nach Castillo Morales, arbeitet seit 30 Jahren sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen, die neurologische Probleme haben.

In Kooperation mit der Kinderklinik Tübingen ist ein neues interdisziplinäres Konzept zur Entwicklungsunterstützung für Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung entstanden.

Bei dieser Intensivtherapie – 2 bis 3 mal im Jahr – arbeiten Eltern mit Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten ein Therapieprogramm aus und üben dies für die Heimarbeit ein.

Dieses Therapiekonzept ist zur Zeit einmalig in Deutschland.

Freitag, 30.09.05, 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Film: „Verrückt nach Paris"

Image


„Verrückt nach Paris" ist das andere Roadmovie.
Hilde, Karl und Philip haben ein Handikap. Sie leben in einem Heim für behinderte Erwachsene in Bremen.  

Philip und Karl arbeiten in einer Werkstatt und bauen Spielzeugenten, Hilde schält eimerweise Kartoffeln in der Heimküche. Mit ihren 70 Jahren ist Hilde immer noch neugierig und träumt von Afrika. Der sensible Philip hat Streit mit seiner Freundin und Karl will unbedingt in die „freie Wirtschaft“.  

Gemeinsam sehnen sich die Drei nach einem Leben mit neuen Herausforderungen. Heimlich planen sie einen Ausflug und hauen aus dem Heim ab. Auf ihrer Reise, die sie nach Köln und später nach Paris führt, entdecken sie für sich ungeahnte Möglichkeiten und erobern neue Freiheiten. Enno, ihr Betreuer, ausgebrannt von seiner Arbeit, macht sich widerwillig auf den Weg, das Trio zurückzuholen.  

Eine Verfolgungsjagd mit Hindernissen nimmt ihren Lauf. Am Ende ist nichts mehr wie es war, auch nicht für Enno, der sich in Paris verliebt und plötzlich selbst nicht mehr von einer Rückkehr in das alte Leben überzeugt ist. Denn nach Paris ist alles verrückt.

Buch und Regie: Eike Besuden und Pago Balko.

Samstag, 01.10.05, 15.00 -18.00 Uhr

 


Freie Waldorfschule Hannover Maschsee


Markt der Möglichkeiten


Als bunter Nachmittag für die ganze Familie hat sich der "Markt der Möglichkeiten" bereits etabliert.
Vielfältige Informationen über Hausfrühförderung, Krabbelgruppen, Kindergärten und -läden, Schulen, Horte, diverse Freizeitmöglichkeiten sowie Wohn- und Arbeitsperspektiven für Menschen mit geistiger Behinderung werden ausgetauscht. Zahlreiche Institutionen nehmen die Gelegenheit wahr, sich vorzustellen.

Neben der Darstellung ihrer Lebens- und Arbeitsweisen werden verschiedene Lebensgemeinschaften wieder ihre begehrten Artikel aus Holz-, Textil- und Buchbinderwerkstätten zum Verkauf anbieten, Gelegenheit, schon früh besondere Weihnachtsgeschenke zu erstehen.

Daneben gibt es viele Aktionen und Angebote für kleine und große Leute:
Rhythmik zum Mitmachen, Gelegenheit zum Spielen und Basteln in der Kinderbetreuung, einen ganzen Raum voller außergewöhnlicher Murmelbahnen zum Ausprobieren, Ponys zum Reiten, einen Kletterturm zum Erobern und tolle Preise bei den Losen zu gewinnen.

Die leckeren Kuchen und feinen Torten des integrativ arbeitenden "Café Artig" verführen groß und klein zu sinnlichen Genüssen bei moderaten Preisen.
Alles in allem eine Veranstaltung, die man nicht verpassen darf!

Image

Montag, 03.10.05, 16.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Kinderzirkus Bunttropfen

Es begann auf einem Dachboden in Hannover: Ein paar circusbegeisterte Kinder trafen sich regelmäßig und studierten - mit einer Handvoll Requisiten - ein paar "Nummern" ein.

Sie verkleideten sich und machten das nach, was sie auf Bildern, im Circus oder in ihrer Phantasie sahen. Nach und nach wurden es immer mehr Kinder, die an dieser Art Freizeitgestaltung Interesse fanden.

Eltern nähten die ersten Kostüme, bauten Requisiten, und seit 1989 gibt es unter dem Motto "Kinder spielen für Kinder" öffentliche Auftritte.

Alte Kinder gingen, neue kamen und auch die Trainer wechselten. Aber immer war das Publikum verzaubert von dem, was es geboten bekam.

Präsentiert werden klassische und ungewöhnliche Nummern, die spritzig, träumerisch und rasant, ein Programm für die ganze Familie bieten: Jonglage, Seiltanz, Einradfahren, Akrobatik, Rope Skiping und vieles mehr.

Image

Mittwoch, 05.10.05, 20.00 Uhr


Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Podiumsdiskussion: Chancen und Risiken pränataler Diagnostik


Die Zeiten, in denen die medizinische Untersuchung eines Menschen mit seiner Geburt begann, sind lange vorbei. Längst hat die vorgeburtliche Untersuchung eines ungeborenen Lebens im Mutterleib einen festen Platz in den Routineuntersuchungen von Schwangeren eingenommen, um die Gesundheit des Fetus zu kontrollieren und gegebenenfalls medizinisch intervenieren zu können.
Neben den Möglichkeiten, eine Therapie in utero im Anschluss an die pränatale Diagnostik vornehmen zu können, dient sie in der Regel auch dazu, mögliche Behinderungen eines Kindes festzustellen.

Eine solche Indikation führt unweigerlich dazu, dass die betroffenen Eltern (insbesondere natürlich die Mütter) eine Entscheidung über das Leben ihres noch ungeborenen Kindes zu treffen haben. Insofern kann die pränatale Diagnostik dazu beitragen, sich auf die Geburt eines Kindes mit Behinderung vorzubereiten oder dazu führen, dass sich Eltern gegen das Leben ihres Kindes entscheiden und eine Abtreibung vornehmen lassen.

Eine solche Situation, die mit zunehmenden technischen Möglichkeiten auch entsprechend häufiger auftritt, führt Betroffene zumeist in schwerwiegende innere Konflikte und bedarf daher einer guten Beratung und Betreuung.

In der Podiumsdiskussion soll versucht werden, einige der wesentlichen Punkte dieser komplexen Thematik zu behandeln:

  • -Wo liegen die Notwendigkeiten, die Chancen und die Risiken der pränatalen Diagnostik?
  • -Wie werden Frauen in Bezug auf pränatale Diagnostik vor und nach der Durchführung verschiedener Methoden beraten und fachlich sowie menschlich begleitet – und welche Forderungen sind an diese Beratung in Zukunft zu stellen?
  • -Welche moralischen und ethischen Fragestellungen erwachsen aus der Anwendung der pränatalen Diagnostik und wie beeinflusst die pränatale Diagnostik die Einstellung der Gesellschaft zu einem Leben mit Behinderung?


Image

Wir freuen uns, dass wir folgende Teilnehmer für diese Podiumsdiskussion gewinnen konnten:

  • -Die Moderatorin Gabriele Heise ist seit Jahren für den NDR tätig. Für den Sender „NDR Info“ moderiert sie regelmäßig Diskussionssendungen - wie die 55-minütige „Redezeit“ - zu medizinischen Fachthemen.
  • -Dr. Mine Arslan-Kirchner ist Fachärztin für Humangenetik und Kinderheilkunde und Leiterin der Genetischen Beratung an der Medizinischen Hochschule Hannover.
  • -Dr. med. Robin Schwerdtfeger, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dr. Schwerdtfeger hat sich früh auf dem Gebiet der Pränatalmedizin spezialisiert . Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Ultraschalldiagnostik, Durchführung diagnostischer Eingriffe sowie in der Betreuung von Hochrisikoschwangerschaften.
  • -Barbara Ernst, Mitarbeiterin der Beratungsstelle „pro familia“ und dabei spezialisiert auf Beratungen im Bereich pränataler Diagnostik, Mitarbeit im Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik.
  • -Dr. Hermann Barth, Theologe, gilt als einer der Vordenker der evangelischen Kirche Deutschland (EKD) und vertritt die evangelische Kirche im Nationalen Ethikrat. Er war maßgeblich an der Entstehung von richtungsweisenden EKD-Texten unter anderem zu den Themen „Sozialethik“ und „Biotechnologie“ beteiligt.
  • -Dr. Barth ist Vizepräsident des Kirchenamtes und Leiter der Hauptabteilung „Theologie und öffentliche Verantwortung“ der EKD.
  • -Katja Baumgarten, Hebamme, Mutter und Filmemacherin. Ihr autobiographischer Dokumentarfilm „Mein kleines Kind“ handelt vom Dasein, Geburt und Abschied von ihrem Sohn Martin Tim, von persönlichen Fragen und Entwicklungen nach der Konfrontation mit der bestürzenden Diagnose – und vor allem von der plötzlichen Forderung an Katja Baumgarten, über die Dauer des Lebens und die Bedingungen des Todes eines ihrer vier Kinder entscheiden zu müssen.