Grußwort



Noch sind viele Eindrücke der Fußballweltmeisterschaft präsent: die ungeheure Spannung des emotional hochengagierten Publikums und der Fußballspieler, deren sportliche Höchstleistung und faire Kampfgesinnung. Jede/r wurde von dieser Stimmung irgendwie erfasst. Das Erstaunliche: trotz vielseitiger Unkenrufe ereignete sich bei dieser Dynamik nichts Dramatisches, nichts Grenzverletzendes; 4 Wochen lang feierten alle vertretenen Nationen ein Riesen - Integrationsfest.

Integration? - Was hatte dieser Fußball mit Integration zu tun? Wenn man von der lateinischen Übersetzung des Wortes („integrare" = unversehrt machen, wiederherstellen, ergänzen) ausgeht, so gibt es folgende Bezugspunkte:

fast jede Mannschaft trat multikulturell an
alle Spieler konnten mit ganz individuellem fußballerischen Können aufwarten, das sich zu einer gigantischen Gesamtleistung addierte
das Publikum feierte quer durch alle Nationen seine Helden; gemeinsames Erleben war das Wichtigste.

Integration? - Offensichtlich keine Frage überall da, wo sie freudvoll einhergeht mit individueller Hochleistung und entsprechendem Erfolg. Dann führen weder kulturelle noch bildungsbezogene, soziale Unterschiede zu Ausgrenzungen. Bei der WM konzentrierte sich alles auf EINE Sache: bestens gespielter Fußball.

Ebenfalls im Juli lud Bundeskanzlerin Merkel zu einem sogenannten „Integrationsgipfeltreffen“ nach Berlin ein, das sich mit der besonderen Problematik der Migranten in Deutschland befasste. In der Euphorie dieses als „historisch“ gefeierten Treffens fielen Worte, die für jede Randgruppe wünschenswert wären: „Ihr seid ein Teil unseres Landes, wir wollen mit Euch die Zukunft der Bundesrepublik gestalten. Beteiligt Euch, wir wollen für Euch die Rahmenbedingungen erleichtern.“ Allerdings - so hieß es weiter - würde der Wunsch nach gesellschaftlicher Integration seitens der Migrantenverbände mit der Erfüllung politischer, kultureller Aufgaben einhergehen müssen. Merkel weiter: „Wir wollen ein Fördern. Wir haben aber auch Forderungen.“

Diese beiden ganz unterschiedlichen Beispiele von Integration bedeuten: Integration (im Sinne sozialer Anerkennung und Zugehörigkeit) geht einher mit der Akzeptanz und Erfüllung festgeschriebener Leistungen.

Ein auf diese Aussage hin erfolgender Protest ist voraussehbar: Wo können wohl Menschen mit Behinderung in einer Gesellschaft mit derartigen Ansprüchen ihren rechtmäßigen, individuellen Platz finden?

Wir wollen dieser Frage nachgehen. Menschen mit Behinderung leben in der Regel in dem Dilemma, in ihrer individuellen Norm (ihrem Leistungspotential) unerkannt zu bleiben, gleichzeitig aber bei allgemeinen Normen häufig nicht mithalten zu können. Noch schlimmer empfinden dies die Eltern: sie leiden – nachvollziehbar – unter der „Normabweichung“ ihrer Kinder, unter dem „Nicht-Ausreichend“ für diese Gesellschaft, klagen aber gleichzeitig eine unbedingte Zugehörigkeit ein: ihre Kinder sollen, so wie sie sind, akzeptiert werden als „gesellschaftstüchtige“ Menschen – aber bitte unter Berücksichtigung ihrer eigenen, etwas anderen Normalität.

Für mich zeigt sich hier ein Paradoxon: Unsere Gesellschaft ist eine wirtschaftliche Wettbewerbsgesellschaft; d.h. Wertigkeiten wie „schneller, besser, höher, klüger“ sind Attribute genau dieser gesellschaftlichen Grundhaltung und dienen der nationalen sowie internationalen Konkurrenzfähigkeit. Und genau das ist die Basis für unser soziales und ethisches Wertesystem, dessen Handhabungen und Auswirkungen.
Soziale Randgruppen müssen sich per se auf gesellschaftliche Benachteiligung einstellen. Dies ist eine realistische Konsequenz unseres politischen Standortes, trotz wiederholt nachgearbeiteter Korrekturkonzepte. Vieles, was wir so ganz selbstverständlich – und leider häufig moralisierend – einklagen, bewegt sich im Kontrast zu diesen gesellschaftlich formulierten Zielen.

Zurück zu den beiden Beispielen: Beim „Integrations-Gipfel“ in Berlin wurde unüberhörbar von „zu erfüllenden Forderungen“ gegenüber Migranten gesprochen; sie wollen „dazugehören“, also haben sie Bedingungen zu erfüllen. Bei der WM musste nicht über Integration geredet werden, sondern in der nonverbalen Kommunikation zwischen leidenschaftlich-kämpfenden Fußballspielern und rauschhaft-mitziehendem Publikum stimmte der „Vertrag“.
Jede der beiden obengenannten „Randgruppen“ konnte/ kann erfolgreich integriert werden durch die Erfüllung von Bedingungen in ihrem jeweiligen Kompetenzrahmen. Hier ist – für mich – der Schlüssel zum Tor, welches die verschiedenen Welten miteinander verbindet, „integriert“.
Für uns Angehörige von Menschen mit Behinderung könnte diese Idee umsetzbar werden, indem wir mit unseren Kindern gemeinsam schauen, erkennen, ernstnehmen, wo ihre besonderen Kompetenzen liegen. In einem nächsten Schritt würde es dann um den Einbezug in institutionelle Gruppen gehen, in denen sie besonders tragfähig und re-produktiv erlebbar werden.

Schon wenige verlässliche Einbindungen in öffentliche Zusammenhänge könnten dafür sorgen, dass der lautstarke, diffuse Kampf um „Integration“ in unserer Gesellschaft einem engagierten, kompetenten „Dazugehören“ und „Mitgestalten“ weichen würde. Diese Verbindung von individueller Leistung und Anerkennung des Anders-Seins könnte unser Beitrag für die Integration von Menschen mit Behinderung werden.
Unsere „Woche des Down-Syndroms“ bietet entsprechende Beispiele.
Sie sind herzlich eingeladen!

Chr. Joost-Plate, Vorsitzende Down-Syndrom-Hannover e.V

 

Samstag, 30.09.2006, 20.00 Uhr



Markuskirche, Lister Platz


Konzert: Integrative Big-Band „Just Fun"

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Was ist besonders an einer Bigband, die verschiedene Stile in ihren Programmen anbietet wie Rock, Pop, Jazz, Ethno, Rap, Samba ... um nur einige Stilrichtungen zu nennen?“
„Eigentlich nichts. Das große programmatische Spektrum zieht sicher ein sehr breit gefächertes Publikum an; und das ist ja auch gut so. Aber etwas besonderes im Sinne von außergewöhnlich geht damit nicht zwangsläufig einher.“

„Was ist eine integrative Band?"
„Eine integrative Band besteht aus „normalen“ Musikern und Musikern mit einer Behinderung. Eigentlich ist das eine ganz gute Einrichtung; man glaubt ja immer, Menschen mit Behinderung könnten gar nichts und müssten ständig betreut werden. Aber in Wirklichkeit bezieht sich die Bezeichnung ‘behindert’ nur auf ganz bestimmte Einschränkungen beim einzelnen Menschen. Dadurch wird er vielfach unterschätzt und ausgegrenzt.“

„Kennen Sie integrative Bands?"
„Nur ‘Just Fun’. Aber es gibt sicher noch weitere. Wahrscheinlich treten die nur in irgendwelchen Einrichtungen oder Werkstätten auf. Aber man sollte sich wirklich drum kümmern. Da gibt es tolle Musiker, die echte Chancen für öffentliche Auftritte bekommen sollten.“


"Wodurch ist die Bochumer Gruppe ‘Just Fun’ hier in Hannover bekannt geworden?"
„Die haben doch letztes Jahr hier in der Markuskirche während des Kirchentages gespielt. Ein Super-Auftritt. Die Kirche bebte, das Publikum tobte. So etwas hatte es – zumindest hier – noch nicht gegeben.“

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Anmerkung:
Bei „Just Fun", eine der größten integrativen Big-Bands Deutschlands, haben von insgesamt 30 Musikern 15 Menschen eine Behinderung (die meisten Down-Syndrom). Aber diese zeigt sich hier wirkungslos: von allen Musikern wird gleicher Einsatz und gleiche Verbindlichkeit verlangt. Alle gehören in den Gesamtentwurf „Just Fun“; auf niemanden kann verzichtet werden. Das erklärt auch das breite Programm, welches jedem seinen individuellen Platz optimal einrichtet. Und dies ist auch der Grund für den grandiosen Erfolg: jeder spielt „seine“ Musik, darf seinen persönlichen Ausdruck entwickeln. Aber am besten, man erfährt dies mit eigenen Ohren.

 

 

Sonntag, 01.10.2006, 10.30 Uhr

 


Markuskirche, Lister Platz

Erntedank-Familiengottesdienst


Erntedank und Down-Syndrom, was hat dies miteinander zu tun?

Wir freuen uns, im Rahmen des üblichen Erntedankgottesdienstes einen eigenen Anteil mit einfließen lassen zu dürfen:

Wir empfinden großen Dank für unsere Kinder mit und ohne Down-Syndrom,

  • für die anderen Wege, die sie uns zeigen,
  • für neue Lebenswerte, die zu lernen nicht immer leicht fällt,
  • für die ungebrochene Lebensfreude, in die sie uns immer wieder mit einbeziehen.



Der diesjährige Gottesdienst findet im Rahmen der „Woche des Down-Syndroms 2006“ statt.


Neben Pastor Bertram Sauppe werden Mitglieder des Vereins Down-Syndrom Hannover diesen Familiengottesdienst mitgestalten.


Herzlich willkommen!

Montag, 02.10.2006, 16.00 Uhr

 



Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Kinderzirkus "Die Wilde 13"

Im Frühjahr 2003 begann Marion Schiller mit ihrer Zirkusarbeit. Diese nachmittags angebotene Freizeitgestaltung für Kinder ab 4 Jahren war schnell ausgebucht, so dass schnell eine zweite Gruppe gebildet wurde. Die Übungstage finden auf dem liebevoll restaurierten Bauernhof in Sehnde-Evern statt.

Durch die Freude der Kinder an der Akrobatik entstanden bald aufführungsreife Darbietungen, und schnell war auch ein Zirkusname gefunden: „Die Wilde 13“.
Marion Schiller arbeitet integrativ und fördert jedes Kind individuell. So werden wir nicht immer nur Höchstleistungen, sondern die besonderen Leistungen besonderer Kinder zu sehen bekommen. Das aktuelle Programm heißt: PIRATEN.

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Es ist kein klassisches Zirkusprogramm, vielmehr eine gelungene Kombination aus Tanz, Akrobatik, Melancholie, Träumerei und Humor – immer mit purer Faszination für alle.

Alle Programmpunkte werden von den Artisten immer wieder neu erarbeitet, so dass keine Vorstellung wie die andere ist.

Dienstag, 03.10.2006, 20.00 Uhr



Kommunales Kino Hannover, Sophienstr. 2

Filmabend: „Verrückt nach Paris"

Hilde, Karl und Philip leben in einem Heim für Behinderte. Hilde arbeitet als Küchenhilfe und schält eimerweise Kartoffeln, Philip und Karl stellen in einer betreuten Werkstatt Watschelenten her. Alle drei sind frustriert und gelangweilt. Ein paar Tage Urlaub wollen sie sich nehmen und hauen aus dem Heim ab.
Die drei verhalten sich dabei auffallend clever, schließlich haben sie im Heim gelernt, ihre Sachen selbst in die Hand zu nehmen.
Enno, ihr Betreuer, ausgebrannt von seiner Arbeit, macht sich widerwillig auf den Weg, das Trio zurückzuholen. Eine Verfolgungsjagd mit Hindernissen beginnt, die über Umwege bis nach Paris führt. Dabei lässt sie ihre absolute Solidarität untereinander ihrem Pfleger immer eine Nasenspitze voraus sein.
Am Ende ist nichts mehr wie es war. Denn nach Paris ist alles verrückt.
Eike Besuden und Pago Balke ist mit „Verrückt nach Paris“ eine fulminante Komödie gelungen, die nach der Uraufführung auf der Berlinale und auf weiteren Festivals vom Publikum euphorisch gefeiert wurde.
Faszinierend ist die Leistung der behinderten Hauptdarsteller, die mit entwaffnendem Charme, natürlicher Ausstrahlung und großem Selbstbewusstsein mehr oder weniger sich selbst spielen, dabei aber eine witzige Distanz finden, die den Zuschauer unmittelbar und vorbehaltlos einnimmt und jede Betroffenheit von Beginn an im Lachen erstickt.

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Freitag, 06.10.2006 20.00 Uhr


 

Gartensaal der Freien Waldorfschule Hannover Maschsee

Prof. Dr. Etta Wilken:
Lebenswelt-orientierte Förderung oder besondere Therapien? Die Begleitung von Kindern mit Down-Syndrom auf dem Weg vom Baby zum Jugendlichen.

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Beim Down-Syndrom werden durch die Trisomie vielfältige und recht unterschiedlich ausgeprägte Probleme verursacht. Diese syndromtypischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind entwicklungsbegleitend zu erfassen und zu behandeln.

Aber wir wollen die Kinder auch optimal fördern – nur, was bedeutet das?

Sind spezielle Therapien erforderlich und wenn ja, welche haben sich bewährt? Wie gewinnen wir Kriterien zur Beurteilung?

Ist eine „optimale" Entwicklung mit besonderen Maßnahmen „machbar"?

Für die Gestaltung förderlicher Bedingungen müssen wir uns nicht nur an den „Defiziten" sondern vor allem an den individuellen Kompetenzen des Kindes orientieren und ihm ermöglichen, die Bedeutung eigener Aktivität in seinem Lebensalltag zu erfahren. Deshalb sind sowohl in der Frühförderung als auch im Kindergarten und in der Schule nicht nur syndrombezogen Lernangebote zu machen sondern es sind auch die individuellen Fähigkeiten und Interessen Lebenswelt-orientiert angemessen zu berücksichtigen.

Seit über 30 Jahren widmet sich Frau Professor Dr. Wilken dem Thema Down-Syndrom. Neben dem Angebot zahlreicher Seminare für Eltern von Kindern mit Down-Syndrom hat sie sich vor allem in dem Gebiet der Sprachentwicklung einen Namen gemacht (Gebärden-unterstützende Kommunikation, GuK).

Samstag, 07.10.2006, 15.00 -18.00 Uhr


 

Freie Waldorfschule Hannover Maschsee


Markt der Möglichkeiten

Information, Beratung, Spiel und Spaß

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Als bunter Nachmittag für die ganze Familie ist der „Markt der Möglichkeiten“ bei vielen ein fester Termin im Kalender. In ungezwungener Atmosphäre können sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen, sich austauschen, gemeinsam spielen, Kaffee trinken.
Vielfältige Informationen zu Hausfrühförderung, Krabbelgruppen, Kinderläden und -gärten sowie zu Schulen, zum Hort, zu verschiedenen Freizeitmöglichkeiten sowie zu Wohn- und Arbeitsperspektiven für Menschen mit geistiger Behinderung werden ausgetauscht. Zahlreiche Institutionen nehmen die Gelegenheit wahr, sich vorzustellen.
Daneben wird es wieder Lebensgemeinschaften und Werkstätten geben, die ihre Produkte zum Verkauf anbieten. Es gibt Schönes aus Holz, Textilien sowie Buchbinderarbeiten zu erstehen, ferner Kontakte zu knüpfen zu den Menschen, die diese Produkte herstellen. Eine gute Gelegenheit, bereits jetzt an besondere Weihnachtsgeschenke zu denken.
Daneben gibt es weitere Aktionen und Angebote für kleine und große Leute:

  • Rhythmik zum Mitmachen
  • Spielen und Basteln in der Kinderbetreuung
  • einen ganzen Raum voller Murmelbahnen
  • Kutschfahrten bzw. Ponyreiten
  • einen Kletterturm
  • verschiedene Fahrzeuge draußen auf dem Schulhof
  • tolle Gewinne am Losstand.



Leckere Kuchen und feine Torten im Café versüßen den Nachmittag ganz erheblich –und dies zu moderaten Preisen.
Alles in allem eine Veranstaltung, die man nicht verpassen darf!